Kaffeehaus Morgenrot in der Villa Hundeshagen
Geschichte, Architektur, Kaffeehauskritik, Fotos

Villa Hundeshagen um 2016Heute
Kaffee ist nicht nur ein sensorisches Erlebnis, sondern visualisiert sich auch über Architektur. Das Ambiente, in dem dieser »Zaubertrank« genossen wird, zeichnete sich in Wien schon immer durch eine Aura der Behaglichkeit aus. Es roch gut. Es war warm. Die Unwägbarkeiten des Alltages konnte man für Minuten aus der Gegenwart verbannen.
Das historierende Antlitz der Villa Hundeshagen (s. Foto), gebaut zwischen 1898 und 1899, assoziierte bei den heutigen Eigentümern - ein Teil der Cafétier-Familie stammte aus Österreich - die Aura Wiener Kaffeehausatmosphäre.

So lag es nahe, das Interieur und das gastronomische Konzept auf ein stilvolles »Wiener« Kaffeehaus auzurichten.
Überlegt ausgewählte Farben, dezente Wohlfühl-Beleuchtung, Lederbänke, Thonetstühle, Marmortischplatten, Kristalllüster, echte Teppiche und eine kleine feine Hausbiliothek gehörten zum innenarchitektonischen Konzept, das einladenden Raum für Menschen zum Ziel hatte.
Wiener Melange im Kaffeehaus Morgenrot21 Wiener Kaffeespezialitäten, Wiener Mehlspeisen wie zum Beispiel Sacher, Esterházy, Dobos, Marillentarte, Apfelstrudel, Kaiserschmarrn oder Palatschinke sind heute die Hauptdarsteller in dieser Wiener Kaffeehaus-Behaglichkeit. Der Gedanke eines »verlängerten Wohnzimmers«, wie es im alten Wien üblich war, wurde von der Gründerin Eva Tiffany Bollmann also buchstäblich umgesetzt. Ganz zeitgemäß in einem rauchfreien Ambiente.

 Das Kaffeehaus Morgenrot wurde am 30. September 2008 als Botschafter der Wiener Kaffeehauskultur in den »KLUB WIENER KAFFEEHAUSBESITZER 1683« (www.kaffeehaussieder.at) berufen.

Es war das erste Etablissement, neben der »Himmelspagode« in Hohen Neuendorf, das vom »Marcellino`s Restaurant Report« als »Das Beste« bewertet wurde: »Berliner« und »Zugereiste« fühlen sich »wie zu Hause im Wohnzimmer« mit »exzellentem Kaffee« und einer »perfekten Rundumbetreuung«. In 2012 wurde das Kaffeehaus Morgenrot sogar als das beste Café (Best Price) im Berliner Umland von den Marcellinos-Testern gewählt.
Laut zitty, Berliner Morgenpost und Der Tagesspiegel zählt das Kaffeehaus Morgenrot zu den Top-Adressen und besten Empfehlungen im Land Brandenburg. In der rbb-Ausflugslokal-Serie nahm der bekannte Restaurantkritiker Helmut Gote das "Kaffeehaus Morgenrot" unter die Lupe und lobte Speis und Trank in einem redaktionellen TV-Beitrag im WAS! wochenmarkt. In 2014 kürte das Fachmagazin »Der Feinschmecker« das »Morgenrot« zum besten Café im Land Brandenburg. Es zählt damit zu den 16 Top-Adressen für Kaffee-Genuss in Deutschland.


Die Anfänge: Kaiserzeit und Gründerjahre
Victoriastrasse um 1900Am 27. September 1898 stellte der Lehrer Max Reinicke den Bauantrag für eine Villa in der damaligen Victoriastraße 1 (heute Scharfschwerdtstraße 1). Der Hohen Neuendorfer Bauunternehmer Albert Lehmann wurde mit der Planung und Ausführung eines hochherrschaftlichen zweistöckigen Privathauses betraut. Bis Ende 1899 wurde das heutige Kaffeehaus als Maison meublée mit einer historisierenden Architektur im Stil der Neorenaissance und einer repräsentativen Ausgestaltung im Inneren fertig gestellt (s.re.: historische Postkarte von 1900). 


Georg Hundeshagen um 1918Kurz danach scheint der Kaufmann Georg Hundeshagen (s. Foto) neuer Besitzer geworden zu sein - der Eigentümerwechsel des Grundstücks geht aus der Bauakte des Hohen Neuendorfer Stadtarchivs aber nicht mehr hervor. Am 25. August 1910 stellte Hundeshagen jedenfalls einen Antrag zur Errichtung einer geschlossenen Veranda (vorher: offener Balkon) im Obergeschoss der Villa.

Exkurs Wien: Zu dieser Zeit (1897 bis 1910) erlebte die Stadt Wien übrigens ihren letzten kulturellen Höhepunkt in der "Wiener Moderne". Dies ist nicht zuletzt mit der Künstlervereinigung Secession verbunden, die Wien zu einem Zentrum des Jugendstils machte. In der Musik entstand die »Zweite Wiener Schule«. Inmitten dieser fruchtbaren kulturellen Atmosphäre wurde von Sigmund Freud die Psychoanalyse begründet.

Villa Hundeshagen um 1929Georg Hundeshagen (gestorben um 1936) war wohl ein vermögender Kaufmann aus Berlin gewesen. Er galt als stattlicher, feiner, sehr eleganter Herr. Beruflich, nach heutiger Definition, ein »Heilpraktiker«. Anhänger der Mormonen-Kirche und Freimaurer-Mitglied der Johannis-Loge »Comenius zur Wahrheit« in Hohen Neuendorf. Den Namen verdankte die Loge einem Mann der im 17. Jahrhundert lebte und nicht nur ein Prediger der Toleranz war, sondern auch für die Rechte der Mädchen und Frauen eintrat, zu einer Zeit wo es das Wort "Emanzipation" noch gar nicht gab. Politisch galt Hundeshagen wohl als deutschnational. Bei obligatorischen Beflaggungszeremonien ließ er die schwarz-weiss-rote Kaiserflagge an der Hausfront hissen.

Die Lebensweise der Familie wurde als »eigenartig« wahrgenommen. Nach Informationen von Bekannten der Familie galt das Haus als Zufluchtsort für »gefallene« Mädchen - dieser humanitäre Dienst ist vermutlich auf die Freimaurermitgliedschaft zurückzuführen. Aus Erzählungen einer Nachbarin, war zu erfahren, dass Georg Hundeshagen regelmäßig mit zwei Damen im weissen Gewand über sein großes Anwesen flanierte.

Treppe und Gehweg um 1930Der Gärtner hakte dazu jeden Tag die Gehwege, die mit niedrigen Grüngewächsen gestaltet waren. Eine riesige Trauerweide und eine Handwasserpumpe zierten das Grundstück hinter der Villa. Das Prunkstück auf dem großen Areal aber war ein prächtiger Pavillon mit bunten Glasfenstern, großartiger Beleuchtung, grün-weissen Markisen und einer Rundum-Hecke. Hier dinierte Herr Hundeshagen regelmäßig in vielfältiger Damenbegleitung.

Die zweite Ehefrau Frieda, geborene Kaulbach, wurde 1936 neue Eigentümerin des Anwesens. Sie betrieb auch nach dem Tod von Georg Hundeshagen eine Weissnäherei im Keller der Villa, wobei die Näherinnen, wie Fräulein Paula, Fräulein Hoffmann oder Fräulein Toni, nur im Keller (auf Terazzoboden) und die angestellten Herren, wie Herr Wust nur im Garten arbeiten durften. Alle arbeiteten und wohnten gemeinsam in der Villa.

 

Nazi- und Kriegszeit
Am 1. März 1943 zerstörte eine Fliegerbombe ein ganzes Haus in der Franzstraße. Die Detonation war so stark, dass die Fensterscheiben in der Villa Hundeshagen und in den Nachbarhäusern barsten.

Während des Krieges wurden Gebirgsjäger aus Österreich in der Villa einquartiert, die in Norwegen eingesetzt wurden.

DDR-Zeit

Villa Hundeshagen um 1956Nach dem Krieg lebte Frieda Hundeshagen noch in einem Zimmer in der ersten Etage der Villa. Ihre Tochter und Ehemann Hörnicke hatten sich kurz nach Kriegsende nach West-Berlin abgesetzt. Frau Hundeshagen musste das Anwesen 1956 (Foto) an Familie Schlickeiser verkaufen. Sie konnte es allein nicht mehr bewirtschaften. Nach über 50 Jahren verlies mit Frau Hundeshagen, die letzte der Familie, das Anwesen in Hohen Neuendorf.

Familie Schlickeiser waren Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten - eine der vielen »abgebrannten Landwirte« aus Pommern. Herr Schlickeiser war schwer kriegsversehrt, er hatte beide Beine im Krieg verloren. Neben seiner fünfköpfigen Familie (ein Sohn und drei Töchter) wurden während der DDR-Zeit weitere Familien der Villa zugewiesen. Seit 1971 lebte auch die Familie Garitz in dem Haus.

Villa innen um 1956 Wie in den siebziger Jahren vielfach üblich wurde in der ersten Etage der komplette Stuck von den Decken abgeschlagen, mit Ausnahme eines Zimmers. In den repräsentativen Paterre-Räumen wurde der reiche Jugendstil-Stuck - der Bequemlichkeit sei Dank - fast ausschließlich erhalten, auch die wertvolle Schiebetür mit den wunderschönen Blumenornamenten im Jugendstil blieb ohne Schaden.

Der prächtige Pavillon im Garten wurde von den neuen Eigentümern als Bienenhaus umfunktioniert. Später, nach dem Verkauf eines Teil des Grundstückes, wurde der Pavillon für den Bau eines Eigenheimes abgerissen. Auch die große Trauerweide fiel einem Neubau, nach Verkauf eines weiteren Teils des Grundstücks, zum Opfer. Das Grundstück wurde während dieser Zeit durch mehrere Verkäufe von knapp 3.000 qm auf ca. 880 qm reduziert.

 

Wendezeit bis heute
Am 6. Dezember 1989 erwarb Franziska Garitz, eine von vier Töchtern der Garitz, das Haus in der Scharfschwerdtstraße von Frau Schlickeiser. Im gleichen Jahr wurde das Dach des Hauses neu eingedeckt, das Muster auf dem Dach wurde dabei erhalten und rekonstruiert. Zwischen 1992 und 1994 wurde die Fassade teilweise gereinigt sowie das Innenleben im Erdgeschoss teilweise erneuert.

Im April 1997 kauften Axel und Eva Tiffany Bollmann (Foto) die Villa Hundeshagen von F. Garitz. Der Einzug der Eheleute Bollmann folgte am 3. Oktober 1997.

Das Haus wurde komplett renoviert. Das feuchte Mauerwerk saniert. Der Sockel des Hauses und die Einfriedung neu gestrichen. Der Garten neu angelegt. Der Hof mit historischen Backsteinen gepflastert, die Remise saniert.

Ende 1999 feierte die Familie das hundertjährige Bestehen des Hauses.

2002 und 2004 wurden die Töchter Amélie Cathérine und Céline Madeleine geboren. Und in 2005 die Villa Hundeshagen ihrer heutigen Bestimmung übergeben: als Kaffeehaus Morgenrot in der Villa Hundeshagen. 

Im Frühjahr 2011 wurde die Villa unter Denkmalschutz gestellt.

Auszug aus der Begründung des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege:
»… Die Villa gehört zu dem Stadtbild prägenden Bauten von Hohen Neuendorf. Historisch gesehen, ist sie eines der qualitätvollsten Zeugnisse der Landhausarchitektur des Historismus in Hohen NeuendorfSie ist mit ihrer stattlichen Größe und anspruchsvollen Gestaltung ein besonders anschauliches Zeugnis der bedeutenden und die Stadt Hohen Neuendorf bis heute prägenden Aufschwungphase um 1900.«

 
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Kaffeehaus Morgenrot · Scharfschwerdtstraße 1 · 16540 Hohen Neuendorf (Bei Berlin)
T. 03303.40 98 04 · F. 03303.40 98 02 · post@kaffeehaus-morgenrot.de